SWIFCOB 26 - "Zukunft Biodiversität Schweiz"
Entwicklungen verstehen, Lösungen gestalten
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Karte auf Google Maps anzeigenDie nächste Generation soll eine biodiverse Schweiz von uns erben. Doch sind wir dazu auf Kurs? Wie hat sich die Biodiversität seit der Jahrtausendwende entwickelt – und welche Faktoren treiben diese Veränderungen an? Vor allem aber: Welche Weichen müssen wir heute stellen, um eine biodiverse Zukunft zu sichern?

Im Zentrum der SWIFCOB26 stand der neue Bericht «Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten». Die Referate am Vormittag (Link zur Aufzeichnung) behandelten Entwicklung und die wichtigen Einflussfaktoren in den verschiedenen Lebensräumen entlang von drei Leitfragen pro Lebensraum – aus Sicht eines Kindes oder Jugendlichen, aus Sicht der Praxis/Verwaltung sowie aus fachlicher Perspektive.
Den Auftakt machte Thibault Lachat zum Wald. Auf die Frage, ob der Schweizer Wald eines Tages ganz verschwinden könnte, gab er Entwarnung: Die Waldfläche hat seit 1850 deutlich zugenommen. Die Herausforderung liegt heute weniger in der Fläche als in der Qualität. Strukturreiche Wälder mit alten Bäumen und viel Totholz sind entscheidend für die Artenvielfalt, doch gerade spezialisierte Totholzarten bleiben weiterhin bedroht, weil sehr alte, totholzreiche Bestände noch zu selten sind.
Jean-Yves Humbert widmete sich der Biodiversität im Landwirtschaftsgebiet und ging der Frage nach, ob eine stärkere Ergebnisorientierung in der Biodiversitätsförderung zielführend wäre. Er betonte, dass solche Ansätze nur in Verbindung mit guter Beratung und Bildung wirken können und ein vollständiges Umschwenken auch Risiken birgt. Während sich die Biodiversität im Mittelland teilweise stabilisiert hat, geraten Bergregionen durch Intensivierung und Nutzungsaufgabe zunehmend unter Druck.
Im Siedlungsraum zeigte Manuela Di Giulio, dass sich Arten sehr unterschiedlich entwickeln. Anpassungsfähige Arten profitieren teilweise, andere wie der Igel nehmen ab. Auf die Frage, wie sich Arten in der Stadt entwickeln, machte sie deutlich, dass Raumplanung, die Sicherung von Grünflächen und biodiversitätsfreundliche Bauweisen zentrale Hebel darstellen. Gleichzeitig spielt der Siedlungsraum eine wichtige Rolle, um Menschen für Biodiversität zu sensibilisieren.
Aurélie Boisezon verdeutlichte die Situation der Biodiversität in den Gewässern und beantwortete Fragen nach den Auswirkungen von Verschmutzung und Klimawandel. Mikroschadstoffe, steigende Temperaturen und strukturelle Defizite setzen Fliessgewässer- und Seenlebewesen stark unter Druck. Zwar zeigen Revitalisierungen und gesetzliche Vorgaben Wirkung, doch deren Umsetzung erfolgt vielerorts noch zu langsam, um den ökologischen Zustand flächendeckend zu verbessern.
Antoine Guisan richtete den Blick auf die alpinen Lebensräume und auf die Frage, wie sich diese unter dem Einfluss des Klimawandels verändern. Arten wandern in höhere Lagen, Spezialisten verlieren Lebensraum, während Generalisten und invasive Arten zunehmen. Zugleich beherbergen die Alpen die letzten grossen Wildnisgebiete der Schweiz weshalb ihr Schutz besondere Bedeutung hat.
Abschliessend ordnete Ariel Bergamini die Entwicklungen gesamtschweizerisch ein. Anhand von Monitoringdaten zeigte er, dass Schutzmassnahmen in Biotopen von nationaler Bedeutung messbare Verbesserungen bewirken können. Gleichzeitig bleiben Landnutzungsänderungen, Strukturverlust und der Klimawandel die zentralen Treiber des Biodiversitätsrückgangs in der Schweiz.
Die Referate zeigten: die Zukunft der Biodiversität in der Schweiz ist gestaltbar – sie erfordert jedoch konsequenten Vollzug, ausreichende Ressourcen und sektorübergreifende Zusammenarbeit. Vor dem Mittagessen fasste Sandra Künzi ihre Erkenntnisse des Morgens humorvoll, bissig und äusserst treffend zusammen.
Am Nachmittag vertieften die Teilnehmenden in thematischen Workshops zentrale Fragen zur Umsetzung der Lösungsansätze – von wirksamer Kommunikation über transformativen Wandel bis hin zu konkreten Umsetzungshürden im Alltag von Praxis und Verwaltung.
Den Abschluss bildete ein Live-Podcast, in dem Ursina Wiedmer (Kanton Zürich) und Markus Fischer (Uni Bern) mit Cornelia Eisenach darüber diskutierten, wie wir die Trendwende für die Biodiversität wirklich schaffen.
Weitere Veranstaltungen von Swiss Forum on Conservation Biology (SWIFCOB)
- SWIFCOB 25: «Biodiversität und GeRECHTigkeit: Vielfalt fördern, Ungleichheit überwinden»
- SWIFCOB 24 «Biodiversität integrieren - Wie setzen wir die neuen internationalen Ziele in der Schweiz um?»
- SWIFCOB 23 «Biodiversität erhalten in Krisenzeiten»
- SWIFCOB 22 «30×30: die neuen Biodiversitätsziele und ihre Bedeutung für die Schweiz»
- SWIFCOB 21 «Biodiversitätsrückgang und Klimawandel: Die Transformation gemeinsam angehen»
